Welches Problem soll diese Regel eigentlich lösen?
Etwas ist schiefgegangen. Die Organisation reagiert, wie Organisationen es in solchen Momenten gern mal tun. Es wird eine neue Regel geschaffen, eine Richtlinie, ein zusätzlicher Freigabeschritt, eine weitere Dokumentationspflicht. Der Gedanke dahinter klingt erst mal einleuchtend. Was einmal schiefgelaufen ist, soll sich nicht wiederholen und eine Regel scheint dafür das naheliegende Mittel zu sein.
Bevor man diese Regel aber verabschiedet, lohnt sich die zentrale Rückfrage, danach ob die fehlende Regel tatsächlich die Ursache des Problems war, oder hat man es nur so behandelt, als wäre sie es gewesen.
Regeln sind dabei keineswegs überflüssig. Sie schaffen Verlässlichkeit, Orientierung und Gleichbehandlung. Sie sorgen für Transparenz, für Rechtssicherheit und dafür, dass Entscheidungen nachvollziehbar bleiben, auch wenn die Person wechselt, die sie trifft. Eine Organisation ohne jede Regel wäre bestenfalls ein Zustand ständiger Neuverhandlung, kaum noch eine Organisation im eigentlichen Sinn. Die Kritik in diesem Text richtet sich nicht gegen Regeln als solche. Sie richtet sich gegen Regeln, deren Zweck sich niemand mehr erklären kann, weil er nie richtig geklärt wurde.