Wie kam Norman Wierz zur Kirche?
Manche Menschen werden zur Kirche berufen. Ich wurde scheinbar dazu bestimmt.
Mein Name ist Norman Wierz. Klingt erst einmal nach ganz normaler Personalausweis-Prosa – bis man ihn auseinandernimmt. „Norman“ spricht man als angelsächsischen Namen wie „Normen“ aus und bei „Wierz“ gibt es eine von zwei Theorien, die ihn auf das polnische „wierzyć“ zurückführt – „glauben“ oder „vertrauen“. Man nehme das zusammen und heraus kommt: Einer, der an Gott glaubt und auf Normen vertraut. Meine Eltern wollten vermutlich einfach einen schönen Namen zur Geburt aussuchen. Was sie tatsächlich getan haben, war offenbar eine Berufsprognose in zwei Wörtern.
Dabei hatte ich als Kind ganz andere Pläne. General wollte ich werden, Comedian oder Sportreporter. Drei durchaus ehrenwerte Karrieren, die alle nichts, aber auch wirklich gar nichts, mit Kirchenrecht zu tun haben. Offenbar war das meinem Namen egal. Wenn du „glaubt an Gott, vertraut auf Normen“ heißt, ist es wahrscheinlich nur eine Frage der Zeit, bis dich irgendein Landeskirchenamt findet und sagt: „Wir haben da eine Stelle für dich reserviert. Deine Feldherrenkarriere fällt leider aus.“
Die ernsthaftere Antwort auf die Frage, wie ich zur Kirche gekommen bin, beginnt wieder mit einer Geburt, diesmal aber nicht mit meiner, sondern mit der meiner Söhne. Nach der Geburt meines ersten Sohnes habe ich angefangen, mich immer wieder zu fragen, welche Spuren ich in der Welt hinterlassen möchte. Heraus kamen zunächst glückliche und selbstbewusste Kinder und zunehmend auch der Wunsch nach einem sinnstiftenden Leben.
Engagiert hatte ich mich schon vorher, allerdings immer privat und neben meinem eigentlichen Beruf. Dann übernahm ich ein großes Mandat. Es kam von einer sehr gläubigen Person und ging um Kinder in Not und plötzlich drehte sich der Schwerpunkt meiner Arbeit. Was bisher neben meinem Beruf stattgefunden hatte, bekam auf einmal ein ganz anderes Gewicht.
Der Wunsch, mich auch beruflich sinnstiftend zu betätigen, war schon nach der Geburt meines ersten Kindes immer stärker geworden. Durch dieses Mandat merkte ich dann sehr deutlich, dass ist exakt das, was ich eigentlich machen möchte.
Tja, und dann kam das Landeskirchenamt ins Spiel. Dort wurde just in diesem Moment ein Jurist gesucht, der Erfahrung mit KI, IT und Datenschutz mitbrachte. Also genau mit den Themen, in denen ich zuvor als Anwalt gearbeitet hatte. Die Stelle lag zudem in fußläufiger Entfernung. Gleichzeitig war ich zum ersten Mal seit mindestens fünfzehn Jahren überhaupt offen für einen beruflichen Wechsel.
Plötzlich passte alles zusammen. So verband sich meine bisherige fachliche Erfahrung plötzlich mit einer Aufgabe, die für mich deutlich sinnstiftender war als alles, was ich zuvor gemacht hatte. Manchmal sind Zufälle echt erstaunlich hartnäckig.
Rückblickend war das eine bemerkenswerte Verkettung von Umständen. Oder, wenn man meinen Namen ernst nimmt, war es vielleicht gar kein Zufall, aber vielleicht liest es sich im Rückblick einfach so, als hätte es schon sehr lange so geschrieben gestanden.