Sie positionieren sich klar gegen extremistische Ansichten. Vertreten Sie selbst auch Positionen, die man rechts der Mitte einordnen würde?
Zuerst einmal, ich verstehe rechts der Mitte als rechtsextrem, nicht als eine CDU Position. Kurzum ja, jedoch ist das sehr selten der Fall und hat, wenn es denn vorkommt, meist einen sehr differenzierten Hintergrund. Ich bin zum Beispiel sehr gegen die doppelte Staatsangehörigkeit.
Ich bin dafür, dass man die deutsche Staatsangehörigkeit deutlich leichter erhalten kann als heute. Für alle, die hier leben, sich einbringen und sich ganz klar zu den demokratischen Werten bekennen. Aktives Anwerben von Fachkräften (Ärzte, Pfleger, ITler, usw.) für den Standort Deutschland halte ich zudem grundsätzlich für sinnvoll. Ethische Probleme habe ich bei letzterem Punkt, wo wir keinen Ausgleich dafür schaffen, dass wir Ländern Menschen entziehen, die dort selbst dringend gebraucht werden. Gerade bei Ärzten aus Ländern mit ohnehin knapper medizinischer Versorgung ist das aus meiner Sicht klar der Fall. Das sind zwei Positionen zu denen sich rechten Personen kaum jemals bekennen könnten.
Bei der doppelten Staatsangehörigkeit ziehe ich für mich persönlich trotzdem eine klare Grenze. Ich finde, man muss sich für ein Land entscheiden (außer das Land lässt ein Ablegen der Staatsbürgerschaft nicht zu, wie der Iran). Als Kind mit Migrationshintergrund könnte ich selbst zwei Pässe haben und das wäre für mich persönlich durchaus ein Vorteil. Zweimal wählen, zwei Pässe und einiges mehr. Trotzdem will ich diesen Vorteil für mich nicht in Anspruch nehmen, wenn ich gleichzeitig sage, dass ich die doppelte Staatsangehörigkeit ablehne. Staatsangehörigkeit ist für mich ein Bekenntnis, kein Bündel aus Vorteilen, das man sich nach Belieben zusammenstellt.
Gemessen an den Parteien der Mitte ist die Position bezüglich der doppelten Staatsangehörigkeit etwas, was ich im politischen Forderungskatalog rechtsaußen verorten würde und dennoch stehe ich zu dieser Ansicht, die ich übrigens lange vor den Blauen hatte. Was diese Position aber ausdrücklich nicht einschließt ist eine strengere Asylpolitik. Im Gegenteil, Bestrebungen, Menschen nach Syrien oder Afghanistan abzuschieben, finde ich derzeit vollkommen falsch.
Grundsätzlich finde ich man kann bei einzelnen politischen Fragen eine Position rechts der Mitte vertreten, ohne deshalb insgesamt ein rechtes politisches Weltbild zu haben. Entscheidend ist für mich, ob eine Position mit demokratischen, rechtsstaatlichen und ethischen Grundsätzen vereinbar bleibt und da sehe ich alle meine politischen Ansichten.