Werden evangelische und katholische Kirche irgendwann fusionieren?
Beide großen Kirchen verlieren seit Jahren Mitglieder und damit geht ein spürbarer politischer Bedeutungsverlust einher, Die heutigen Kirchen werden nicht mehr zu allen gesellschaftlichen Fragen um eine Stellungnahme gebeten, wie es früher der Fall war. Das halte ich für eine echte Gefahr für die Gesellschaft, denn Kirchen sind Wertevermittler mit einem institutionellen, in der Kultur verwobenen Charakter, der aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt hat. Das ist einmalig und man beschneidet sich meiner Meinung nach, wenn man diese Stimme außen vor lässt.
Eine Fusion halte ich trotzdem für unrealistisch, weil die strukturellen Unterschiede zu groß sind. Die katholische Kirche steht unter dem Vatikan, der wiederum die Gläubigen weltweit betrachten muss, etwa in Südamerika und Afrika. Positionen, die in Deutschland durchaus mehrheitsfähig wären, scheitern deshalb oft an dieser globalen Rücksichtnahme. Die evangelische Kirche ist diesbezüglich freier, gesellschaftliche Strömungen können hier direkter wirken. Dazu kommen theologische Unterschiede, die nicht zu unterschätzen sind.
Wichtiger finde ich es jedoch, nicht die Unterschiede zu betonen, sondern die Gemeinsamkeiten. Den Gedanken der Ökumene, von dem ich ein großer Fan bin. Warum sollten nicht Kirchengebäude gemeinsam genutzt, gemeinsame Gottesdienste gefeiert, Caritas und Diakonie enger verzahnt werden? Der Auftrag beider Kirchen ist im Kern derselbe: für die Menschen da zu sein, das Wort Gottes zu verbreiten. Gerade weil Einfluss und Ressourcen schwinden, ist es sinnvoll, dort eng zusammenzuarbeiten, wo eine gemeinsame Basis besteht und das geht sehr gut ohne den institutionellen Schritt einer Fusion.
Was ich mir hingegen durchaus vorstellen könnte, sind Fusionen zwischen verschiedenen Landeskirchen innerhalb der EKvW, dies könnte strategisch sinnvoll sein und die Hürden wären deutlich geringer als bei einer konfessionsübergreifende Fusion.
Dieser Beitrag gibt ausschließlich meine persönliche Auffassung wieder. Er stellt keine Stellungnahme der Evangelischen Kirche von Westfalen oder des Landeskirchenamtes dar.