Eine neue Struktur verändert noch keine Organisation

Nachdem 2015 mehrere hochrangige Funktionäre des Fußballweltverbands FIFA wegen Korruptionsvorwürfen verhaftet und angeklagt worden waren, beschloss der Verband 2016 weitreichende Governance-Reformen. Dazu gehörten unabhängig besetzte Kommissionen zur Überwachung von Governance- und Ethikfragen, formale Unabhängigkeitsanforderungen an bestimmte Funktionen und Amtszeitbegrenzungen für zentrale Führungspositionen.

Strukturell war das ein erheblicher Fortschritt. Die folgenden Jahre zeigten jedoch, dass neue Gremien und formale Unabhängigkeitsregeln nicht von selbst die Kulturveränderung bewirkten, die viele Beobachter erwartet hatten. Besonders aufmerksam registriert wurde 2017, dass die Vorsitzenden der unabhängigen Ethikkommission nicht erneut zur Wahl vorgeschlagen wurden, während dort noch zahlreiche Verfahren liefen. Kritiker wiesen wiederholt darauf hin, dass zentrale Entscheidungen weiterhin stark von einzelnen einflussreichen Personen und informellen Netzwerken geprägt blieben, gleich wie die Zuständigkeiten auf dem Papier verteilt waren.

Formale Strukturreformen verändern zunächst Zuständigkeiten und Verfahren. Ob sich mit ihnen das Entscheidungsverhalten der Beteiligten ändert, hängt von weiteren Faktoren ab. Die neuen Kontrollinstanzen brauchen eigene Ressourcen, Zugang zu Informationen und Möglichkeiten, ihre Entscheidungen durchzusetzen. Vor allem müssen sie vor denen geschützt sein, die sie kontrollieren sollen. Offen bleibt zudem, ob die informellen Machtstrukturen, die vor der Reform bestanden, aufgebrochen oder lediglich in neue Gremien verlagert wurden.

Wer nach einem Vorfall Reformen beschließt, sollte die Zeit danach genau im Blick behalten. Neue Gremien, Richtlinien und Zuständigkeiten sind Werkzeuge einer Reform. Ihr Erfolg zeigt sich im Alltag, nämlich daran, ob diese Strukturen genutzt werden, um Entscheidungen kritisch zu hinterfragen, oder ob sie mit der Zeit zu einer weiteren formalen Ebene werden, die das Verhalten der Organisation kaum noch beeinflusst.

Neue Gremien und Richtlinien sind Werkzeuge einer Reform. Ob sie wirken, zeigt sich im Alltag und hängt davon ab, ob die neuen Kontrollinstanzen Ressourcen, Informationen und Schutz vor denen haben, die sie kontrollieren sollen.